Verkehrt



Niemand sieht die Welt wie ich, weil ja dann keiner die Welt aus meinem Blickwinkel sieht.Und ich bin wohl die Einzige, die beim Laufen auf Zebrastreifen noch nach Afrika geht.Fürchte, dass Herbstwind aus Turnschuhen weht, die Einzige, für die sich die Welt in entgegengesetzter Richtung dreht. Und die Türen 3 mal drückt, auf denen ziehen steht. Bin die Einzige, die aus Langeweile Hieroglyphen aus Kaffeeflecken entziffert und deren Herz dann aus Angst vor der Perspektive im Bodensatz Espenlaub-Laute zittert. Meine Beine sind zu kurz um Marathonläufer zu werden und ich hatte auch nicht genug Sternstunden um mich alternativ bei der NASA zu bewerben. Selbst aufgehaltene Türen schließ ich mir vor der Nase, drück mir meine Gedanken auf die Haut, brauch niemand, der mir Hürden baut, bin ich doch schon selbst gut genug meine eigene Aussage bei der Aussprache nicht zu verstehn. Aus Versehen lauf ich immer falsch rum,beim auf-der-Rolltreppe-gehen. Ich werf keine Schatten, dafür steh ich zu nah an der Wand. Ich versuch fremde Herzen zu entzünden, dabei setz ich mich selber in Brand und erkannt hab ich die Pointe in lustigen Witzen schon viel zu selten. Steh angespannt an viel befahrenen Straßen und hoff vergeblich jemand nimmt meine Hand, denn ich hab ständig Angst, dass Fußgängerampeln wieder auf rot umspringen. Finde viel zu häufig, dass meine Worte wie Echos in unbewohnten Wohnungen klingen, dabei kann ich ganze Tage mit Fusselflugformationsforschung verbringen. Deshalb bin ich auch im plaudern und Banalitäten plätschern unglaublich untalentiert. Dafür Weltmeisterin, wie man in Einbahnstraßen die richtige Richtung verliert. Will ich dann weiterlaufen, reichen mir meist 2 Beine, um mir eins davon zu stellen, stürze in meergroße Fettnäpfchenpfützen und schlag doch keine Wellen. Ich kann peinliche Momente zu ungeahnten Gummibandlängen dehnen und werf dauernd Weltwände um beim versuch, mich gegen die Kulisse zu lehnen. Bin vorschnell Feuer Fieber und Flamme für Dinge, die mich anstecken. Schaff es selbst in runden Räumen anzuecken. Stolper, verschütte meinen Herzbodensatz auf weißen Wänden und Decken und versuch dann meine Dumheitsdokumentation aus Phantasiephasenflecken. Komm nicht vom Fleck, tret mir selbst Trittbretter unter den Füßen weg, die ich doch so sorgfältig mit Tesa an meine Fußsohlen geklebt hatte. Ich hatte kaum einen Sonnenbrand, weil ich mich selbst überschatte und es wundert mich nicht mehr, warum mein Toast immer auf die Marmeladenseite fällt. Doch ich verbind meine Tränen mit dem Ozean und bau mir eine Salzbrücke in eine andere Welt. Ich Schrägschreiber, Schrägstrich, Schriftstellerkind, ich schau in die Welt und werd dabei blind, ich find mein Gesicht im Spiegelbild nicht bis ich Gedankengänge zu Stadtplänen verbind.
Und ich halt an meinen Nachteilen fest, bis mich jeder Nachteil um einen Vorteil vermehrt und die Welt sich in Umkehrlaune Boden dem Himmel verkehrt. Und dann bin ich halt klein, dafür werd ich im Regen nicht so schnell nass. Ich werd am Nordpol einfach Schneeengel liegen, denn, ich mein, ich bin ja schon nass. Ich werd meinen Toast einfach doppelseitig beschmiern und such mir eine kreisrunde Einbahnstraße in der Marathonläufer gegen mich dann verliern. Kann nicht passend passabel Banalitäten plätschern im Plauderton, Fusselflugfachfrau bin ich dafür schon. Ich werd auf Rolltreppen einfach verkehrtherum laufen, dann stimmt auch die Richtung wieder. Und irgendwann werden verschüttete Fetzenphantasien wieder rückwärts gesungene Lieder.
Ich warte ab, bis jemand wissen will, was hinter Weltwänden vor sich geht, werfe sie dann um und werde einfach weiterschweben, wenn Herbstwind nicht aus Turnschuhen weht. Irgendwann werden Menschen es wertschätzen, die Welt aus meinem Blickwinkel zu sehen und mein Echo verstehen und mit Hände reichen, um auf Zebrastreifen Umwege nach Afrika zu gehen. Es bleibt abzuwarten, ob man Makel in Schliffweiß
als Kunstfehler verkennt. Macht uns doch genau dieses aus, was uns von perfekt portionierten Proportionspersonen trennt.

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