gehen!



Ich will Alltagsaugenblickaufnahmen aufschreiben. Magiemomente, die uns sonst nicht als wertvoll genug in Erinnerung bleiben. Darüber schreiben, welche Geschmacksgemälde die ersten Erdbeeren der Sommersaison malen. Wie Wellen Zähne klappern beim klackern durch Splitterscherben und Mosaikmuschelschalen. Wie frisch bezogenes Einkuscheln in Bettlaken riecht. Und welche Mustermagie eine Schnecke mit Schleimspuren an eine Häuserwand kriecht. Wie die Nacht mit Fernverkehrrauschen nach Atem klingt und der Mond auf zitternden Ziegelsteindächern nachts Singsang singt. Wie die Sonne Fettfingerabdrücke auf klaren Glasscheiben aufdeckt und ein Gebirge Schneepfoten nach dem Himmel ausstreckt. Wie dampfende Teetassenschwaben an kalte Winterscheiben schreiben und huschende Scheinwerfer Geister auf den Straßen vertreiben. Für mich bleibt der Tau stehen an wandernden Tagen, ich hab gesehen wie Glaslichtlaternen in tränenden Augen lagen und sich auf der Bordsteinkante potentielle Seiltänzerträume verbargen. Während sich für mich hinter jeder Ecke neue Lichtländer auftun, stecken die meisten Menschen noch knietief in festen Militärmaschierschuhen. Wer schaut den Mond denn noch anders an als „gestern, heute, ja schon wieder gesehen“ und befindet sich noch im Bauch einer stählernen Raupe beim in der Straßenbahn stehen. Ist denn die Welt weniger unerklärbar als früher? Geh doch einfach mal raus, iss vom Langneseeishimmel und pflück dir wabernde Wattewolken. Oder sind wir nur blinder und tauber und seltener leise? Die Welt malt doch immer noch schillernde Schneekugelkreise. Oder haben LKW’s letztlich ihre letzten Hohltöne ausgehaucht? Haben wir allen verfügbaren Instand-Zauberstaube aufgebracht? Sind denn schon alle hintersten Weltwanderwege erkundet und vielleicht wird die Welt, um Magie zu bemerken, einfach zu zeitraffer-artig bewundert. Hat der Nachthimmel vielleicht seinen Glanz verloren, verglichen mit einer anderen Zeit. Also für mich ist er immer noch sternhagelweit. Es sind die kleinen Tütenwunder, die in 2 Minuten Phantasiefertig sind , wie flatternde Pappierstücke im zappelnden Zug-zickzack-Wind. Raufasertapetengefühl, wenn man an der Wand entlang streift, Sturmtropfen, die den Himmel zerreißen und Molltöne pfeifen. Für mich beginnt jeder Tag wie ein Schritt in die Mikrokosmon Selbstwunderwelt. Nur weil vor meinem Fenster keine Pyramide steht, kein Niagarafall fällt, heißt das nicht, dass es auf meiner Tageskarte keine Weltwunder gibt. Ich nehm die übrig gebliebenen Magielegosteine, die sonst jeder nur beiseiteschiebt und baukastenwerke mit ein Umfeld aus Minniwundern mit Alltagstauglichkeit. Wo Träume leben lernen und ich weiß, Phrasenphantasie kann den Himmel um Wolkenworte vermehren. Deshalb kann ich auch von zwerghaft kleinen Zauberzeitpunkten zehren. Es ist einfach nur eine Frage des Blickwinkels, mit dem man auf den Erdboden schaut. Tausend mal angeschaut heißt eben nicht anvertraut ausgelaugt. Vielleicht muss man, um Neues in Altem zu sehen, nach grauen Häusermauern ein Horizontlicht weiter sehen. Doch gibt es immer noch bezaubernde Wege auf Sternschnuppenalleen. Das einzige Problem ist, man muss sie auch ….

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