Lieben ist auf Brücken tanzend nie zum Abgrund hinterschauen. Dem Absturz so nah. Sich an einander klammern, nicht loslassen. An den Fall keinen Gedanken verschwenden. Lieber die federleichte Balance halten. Schweben und halten. Dabei küssen und lieben und vertrauen, dass der andere das Gleichgewicht nicht verliert. Das vertrauen in den Partner, dass er nicht loslässt, auch wenn es wackelt. Lieben heißt ineinander verschlungen versuchen auf dem Seil zu tanzen. Und dabei fühlt es sich so echt an. So fiebrig echt. Schweißtreibend und erfüllend. Und während des Tanzens vergisst man im Überschwang des Glücks, dass es auch anders geht. Dass der Abgrund nah ist und der Sturz jederzeit möglich ist.

Und dann das Fallen. Immer noch schwerelos. Vielleicht noch Hand in Hand. Bis der Aufprall kommt. Die Realität, die Menschen wieder trennt. Ein Aufknall lauter als jedes vorherige Geräusch und dann Schmerz. Betäubungen lassen nach. Verschwinden. Purer Schmerz, wahre Tränen und das Herz voller Erinnerungen. Und das Erinnerungskino dauerhaft vor Augen. Vergleiche zum anderen Zustand. Kein Vergleich, viel schöner damals. Und dann lernen mit der Belastung zu leben. Es leben zu nennen und morgens aufzustehen, ohne jemanden in deinem Arm. Alleine tanzen lernen. Schweben. Und feststellen, dass es nichts schwereres gibt als Leichtigkeit. Tränenpfützen bilden und statt zu tanzen, schwimmen. In eigener Trauer baden gehen. Hoffen und immer wieder Hoffnungspirouetten drehen. Und dann Hoffnung über Bord. Tiefer verwerfen als sich selber. Aufstehen und probieren zu tanzen. Verlent. Neu lernen, neu leben lernen und tanzen. Glitzer. Noch einmal so tanzen wollen, wie damals. Noch einmal so lieben. Noch einmal so geliebt werden.

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